12. November 2018 — Diskussionsabend in Riehen


Hier wie versprochen mein Bericht über den Diskussionsabend in Riehen ...
Nachdem ich schon so viel über Reproduktionsmedizin und Kinderwunschkliniken vernommen hatte, war ich natürlich gespannt drauf, den Chefarzt einer solchen Klinik kennenzulernen. Gerade in Erfahrungsberichten von Frauen, die sich haben behandeln lassen, herrschen oft negative Eindrücke vor. So war ich eher überrascht, einen sympathischen, zurückhaltenden Mann anzutreffen, der mir erzählte, bei vielen Paaren, die zu ihm kämen, reiche ein Gespräch. Da brauche es gar keine medizinische Behandlung. Leider gab es keinen Raum für die Frage, weshalb jungen Frauen eine Sterilisierung oft verweigert wird.

Die Theologin wiederum überraschte mit ihren modernen Einstellungen. Sie war ja eingeladen worden, um Kinderlosigkeit aus der Sicht der Bibel zu betrachten bzw. Vermutungen darüber anzustellen, wie diese alten Haltungen heute zu verstehen sein könnten.
Die Antwort auf die Frage, ob Kinderlosigkeit eine Strafe Gottes sei – so stand es mit einem Fragezeichen provokativ auf der Einladung – blieb sie uns schuldig. Mir persönlich verriet sie, dass auch sie eine OK-Frau ist, vielleicht ist das Antwort genug oder die Frage schien ihr derart abwegig, dass sie keine Lust verspürte, darauf einzugehen.

Dafür lieferte sie in ihrem Beitrag eine Antwort auf die Frage, weshalb Kinderhaben derart penetrant als etwas vom Erstrebenswertesten angesehen wird, dass man sich verdächtig macht, wenn man keine will.
Eigentlich logisch: Bei der hohen Kindersterblichkeit früher erhöhte jedes Neugeborene die Chance des Fortbestandes der Sippe und war – zumindest auf dem Land – ein potentieller zukünftiger Mitarbeiter auf dem Hof. Bei den Juden kam noch hinzu, dass sie auf den Messias warteten und jede Frau hoffte, diesen zu gebären.

Mein Beitrag kam gut an und ich durfte anschliessend erfreulich viele positive Feedbacks entgegennehmen. Manche Besucher versicherten mir, in ihren Kreisen sei der kinderlose Lebensentwurf absolut akzeptiert, höchstens die "Fundis" hätten damit ein Problem.
Mein Hauptanliegen ist es ja, dem Lebensentwurf ohne Kind zu einem besseren Image zu verhelfen. Nicht zuletzt deshalb, weil die – wider Erwarten – noch stets vorherrschende negative Haltung gegenüber OK-Frauen eine zusätzliche Hürde bedeutet, wenn es ums Annehmen der Kinderlosigkeit geht.
Daher wünsche ich mir mehr derartige Anlässe und bin auch gern bereit, mich dafür zu engagieren.

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