16. Februar 2022 – Trennung für ein Kind? Teil 2 – Basis der Entscheidung


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Wofür trennst du dich? Egal, ob du dich von deinem Partner oder von deinem Kinderwunsch trennst – prüfe, wofür, bzw. wovon du dich trennst.


Szenario A: Bevor du dich für den Kinderwunsch von deinem Partner trennst, finde heraus, wofür der Wunsch steht, warum er so wichtig ist.

Heutzutage ist es theoretisch möglich, auch ohne Partner ein Kind bekommen zu können. Ein Set zur Selbstbefruchtung kann man sich im Internet bestellen. Dafür, dass dein Körpers es bis zur Lebendgeburt unterstützt, gibt es zwar keine Garantie, doch dieses Angebot beseitigt Abhängigkeit eines Mannes bei der Zeugung.

Aber vielleicht gehört ja zum Kinderwunsch noch mehr. Vielleicht ist es ein Wunsch nach Familiengefühl, nach einem gemeinsamen Projekt mit dem Partner.
Was erhoffst du dir von einem Leben als Mutter? Welche Qualität fehlt dir in deinem aktuellen Leben? Welche Änderungen wünschst du dir?

Die Antworten auf diese Fragen sind nicht so leicht zu finden, wie es auf Anhieb scheinen mag. Ein tiefes Eintauchen (evtl. mit professioneller Begleitung) lohnt sich.
Finde heraus, was hinter deiner Sehnsucht nach einem Baby im Arm steckt.

Vielleicht entdeckst du dabei, dass du dich nach etwas sehnst, das sich auch erfüllen könnte, wenn du beruflich endlich das tust, was du wirklich möchtest. Etwas, wobei du dein echtes Potential entfalten kannst.
Oder geht die Sehnsucht eher in die Richtung einer Vertiefung und Festigung der Liebesbeziehung? Oder geht es darum, dazuzugehören, zu all den Familien, von denen deine Freundinnen Teil geworden sind? Zum "normalen" Teil der Gesellschaft?

Wenn du überzeugt bist, dass einzig die Mutterrolle deine Bedürfnisse befriedigen kann, sei dir bewusst, dass eine Trennung keine Garantie für ein Gelingen ist. Es kann sein, dass du später trotzdem an den Punkt kommst, wo du das Bedürfnis hinter deiner Sehnsucht auf eine andere Art erfüllen musst.


Szenario B: Bevor du dich für deinen Partner von deinem Kinderwunsch trennst, finde heraus, was dir deine Beziehung wert ist.

Pass dich nicht einfach an, weil du eine Trennung scheust und nicht wieder Single sein willst.
Prüfe, ob die Beziehung es wirklich wert ist, den Traum von einem Kind dafür aufzugeben.

Welche Bedürfnisse erfüllt dir deine aktuelle Liebesbeziehung?
Deckt sie deine grundlegendsten, allerwichtigsten Bedürfnisse ab?
Kannst du in dieser Beziehungen ganz dich selbst sein und wirst geliebt so wie du bist? Bist du ganz angenommen? Auch mit deiner Trauer darüber, dass du den Kinderwunsch begraben musst?

Trauer ist nicht gleichbedeutend mit endlosem Jammern.
Trauer kommt und geht, oft in Wellen, die mit der Zeit schwächer werden.
Und wenn eine Welle kommt, dann ist sie da und kann nicht aus der Welt geredet werden. Schon gar nicht mit Worten wie "Jetzt ist dann mal gut, willst du ewig traurig sein?"

Derartiges wird aus Verlegenheit gesagt. Um das schlechte Gewissen und die Scham darüber zu verdrängen, dass man den eigenen Weg hat gehen dürfen während das Gegenüber sich angepasst hat.
Wenn die Trauerwelle sein und sich entladen darf, geht sie auch wieder vorbei ohne viel Schaden anzurichten. Vor allem dann, wenn sie von beiden liebevoll angenommen wird.
Es macht einen riesigen Unterschied, wenn schwierige Anteile gesehen werden und sein dürfen.

Und sei dir bewusst, dass es auch bei dieser Variante keine Garantie gibt, dass die Beziehung ewig hält. Sie hat sicher bessere Chancen, wenn ihr euch ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzt und offen seid.


Untersucht also den Kinderwunsch ebenso wie die Beziehung und sprecht miteinander.

Handelt es nicht in einer Diskussion ab, die mit Verlierer- und Gewinnerposition endet. Stellt euch dem Thema ganz. Schaut ihm in die Augen, schaut einander in die Augen, wenn ihr darüber sprecht. Welche Befürchtungen, Sehnsüchte alte Wunden sind damit verbunden?
Was brauchst du, damit du deinem Partner nicht lebenslang vorwerfen musst, dich ihm angepasst zu haben?

Solche Gespräche fühlen sich im ersten Moment gefährlich an. Wohin führt es, womit wird man konfrontiert, wenn man sich dem wirklich stellt? Unter Umständen zeigt man sich dabei nackter als wenn man sich für den Sex miteinander auszieht.

Und wenn man dranbleibt statt zu flüchten, entsteht eine noch intensivere Nähe.
Ich hatte in solchen Momenten als Begleiterin schon feuchte Augen, wenn zwei Menschen einander anlässlich dieser Thematik ihr Innerstes ungeschönt darlegten und von der Verletzlichkeit des anderen tief gerührt waren.
Die Beziehung gewann dadurch eine Ebene in die Tiefe.
Eine Trennung ist meist dann angesagt, wenn der Weg in die Tiefe nicht möglich ist. Dann öffnet sich ein Weg in zwei verschiedene Richtungen.

Eine professionelle Begleitung kann dazu dienen, dass sich ein solcher Austausch etwas sicherer anfühlt. Als Begleiterin bin ich Anwältin für die Bedürfnisse beider Personen. Ich achte darauf, dass beide gleichermassen Raum einnehmen können und sorge dafür, dass niemand sich in überflüssige Details verliert, ins Debatieren gerät oder vom Thema abkommt.

In schwierigen Momenten behalte ich die Übersicht und dadurch beiden den Weg zur Metaebene frei.
Wenn es zur Trennung kommt, weiss man, dass es nicht deswegen ist, weil man aus Impulsivität zu viel Geschirr zerschlagen hat, sondern weil keine Kompromisse möglich sind und es in diesem Augenblick das kleinere Übel ist.


Nächster Beitrag: 5. Mai 2022 – Muttertag in Sicht

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Danke       2022-02-25
Liebe Regula. Ich danke dir sehr für dein Engagement zu diesem Thema. Einmal mehr finde ich, dass du es auf den Punkt bringst. Du hast mir in der Entscheidung zur Kinderfrage sehr geholfen und mich ermutigt, zu mir und meinen Bedürfnissen und Interessen zu stehen. Auch die Auseinandersetzung mit dem Partner hat mittlerweile stattgefunden. Hier wurde auch klar, dass er sich ohne meine Fragen nie wirklich mit dem Thema auseinandersetzen musste und einfach annahm, dass Kinder irgendwann "dazugehören". Jetzt ist er klar reflektierter und sagt, ihm fehle nichts. Falls sich dies mal ändern sollte, bin ich am Punkt, um ihn bei der Trauerbewältigung zu unterstützen und es nicht persönlich zu nehmen. Auch dank dir. Danke! Fabienne, 36

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