4. August 2020 – Ein Dauerthema


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Sie ist immer wieder Thema, die Angst davor, im Alter einsam zu sein, weil man keine Kinder hat. Wer sie nicht selbst hat, dem wird sie von anderen aufgedrängt.

Eine Bekannte arbeitet als freiberufliche Fusspflegerin und besucht auch Klientinnen in Pflegeheimen. Während sie die Füsse der Menschen pflegt, verwickelt sie diese wie beiläufig in ein Gespräch und leistet so gleichzeitig einen wichtigen Beitrag in sozialer Hinsicht.

Viele der pflegebedürftigen Menschen vertrauen ihr dabei an, dass sie sich einsam fühlen. Kürzlich erzählte sie mir von einer knapp 100-jährigen Frau, deren Kinder- und Enkelschar einen Besuchsplan eingerichtet hat, damit sie mehrmals wöchentlich Besuch hat.
Trotzdem begann die Frau während der Fusspflege zu weinen und berichtete, wie einsam sie sich fühle und dass sie eigentlich am liebsten einfach sterben würde.

Es sei typisch für diese Generation, sagt meine Bekannte, dass sie sich eher einer Fremden öffnen und sich im Familienkreis zusammennehmen und sagen, es sei alles okay.
Die Angehörigen wissen oft nicht recht, wie sie den Kontakt mit ihren Eltern und Grosseltern gestalten sollen. Diese hören und sehen vielleicht nicht mehr gut, was das Gespräch erschwert. Sobald mehrere Besucher gleichzeitig da sind, unterhalten die sich miteinander und die betagte Person ist aussen vor, weil sie immer weniger mitbekommt. So fühlt sie sich trotz Besuch einsam.
Im Gespräch mit der zugewandten Fusspflegerin entsteht mehr Nähe.

Doch heute wird man oft sehr alt bis man so eingeschränkt ist, dass das Kommunizieren schwierig wird und man selbst nichts mehr zur Erhaltung eines sozialen Netzes beitragen kann. Ein soziales Netz, das ständig schrumpft, weil immer mehr vertraute Menschen sterben.
Bis es so weit ist, kann man selbst steuern, wie man seine sozialen Kontakte gestaltet. Ob sie belebend sind oder trist, oberflächlich oder tief, bereichernd und herzerwärmend.

Da kam nämlich gleichzeitig die Geschichte eines über 80-jährigen zu mir, der sich frisch verliebt hat. In eine um zehn Jahre jüngere Frau.

Die Frau ist zwar Mutter, hat aber im Alltag wenig davon, da ihre Kinder alle im Ausland leben – Pech gehabt, könnte man sagen, was hat sie jetzt davon, dass sie Kinder hat, wenn die alle so weit weg leben?
Dafür hat sie sich jetzt eben mit über 70 gerade nochmals verliebt. Die beiden sagen, es hätte sie erwischt wie damals mit 20, sie erleben gerade einen zweiten (vielleicht auch dritten) Frühling.
Und ich denke mir: Muss man etwa Kinder haben, um so etwas erleben zu können?

Nein, eine Offenheit muss man sich bewahrt haben und eine gewisse Risikobereitschaft. Es ist eine Frage der inneren Haltung. Und an dieser kann ich jetzt bereits arbeiten.


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