14.April 2021 – Hintergründe und Zusammenhänge


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Der Mensch kommt als derart unselbständiges Wesen auf die Welt, dass wir nicht – wie die meisten Säugetiere – nur für ein paar Wochen völlig abhängig sind von unseren Eltern, sondern für Jahre.
Abhängigkeit bedeutet ausgeliefert sein. In dieser Zeit sind wir für unser Überleben auf die Zuwendung erwachsener Betreuungspersonen (es sind ja nicht immer die eigenen Eltern) angewiesen.

Die Unselbständigkeit bildet entsprechende Fähigkeiten aus: Wir nehmen sehr gut wahr, wie andere auf uns reagieren und passen unser Verhalten so an, dass andere uns Zuwendung schenken. Diese sichert das Überleben trotz Unselbständigkeit.

Bis weit in ins 20. Jahrhundert hinein wurde Eltern geraten, ihre Kinder nicht zu "verhätscheln", also nicht zuviel (körperliche) Zuwendung zu geben, da sie sonst verweichlichen würden. Noch viel länger lernten Mütter, ihre Babys schreien zu lassen, damit diese lernten, ohne die ständige Aufmerksamkeit der Mutter auszukommen.

Und das wirkte. Babys sind lernfähig. Irgendwann hören sie auf zu schreien, wenn niemand kommt. Als Kleinkind bekam man das Gelernte weiter bestätigt: Wer brav und ruhig war, wurde belohnt.
Was dabei übersehen wurde: Dank dieses Erziehungsstils haben diese Menschen von klein auf gelernt, ihre Bedürfnisse zu übergehen. Bedürfnisse äussern brachte das Risiko mit, keine Zuwendung zu erhalten, was für ein komplett unselbständiges Wesen im Extremfall lebensbedrohend sein kann.

Diese Menschen sind jetzt Erwachsene. Und tief in sich drin glauben sie immer noch, dass es gefährlich ist, ihren Bedürfnissen Raum zugeben. Darauf angesprochen, würden sie sagen, es sei alles in Ordnung, denn diese Überzeugung wirkt im Unbewussten.
Oft sind sie sogar überzeugt davon, dass sie gar keine Bedürfnisse haben oder dass ja sowieso alle erfüllt sind.

Auch wenn diese Erziehungsmethoden längst überholt sind, gibt es im Leben jedes Kindes Momente, wo aus Überforderung oder Unwissen Verletzungen entstehen. Eltern können die besten Absichten haben – Erziehung schafft Verletzungen. Kaum jemand ist frei von Verletzungen und Mangelgefühlen.

Im Erwachsenenalter äussern sich Folgen dieser Verletzungen in unbestimmten Sehnsüchten, Unzufriedenheit, kontraproduktiven Verhaltensweisen, Bindungsproblemen und vielem mehr.

Drama muss das keines sein, denn Verletzungen können aufgearbeitet und neue Verhaltensweisen erlernt werden.

Was das mit einem Leben ohne Kinder zu tun hat? Darüber mehr im zweiten Teil demnächst, sonst wird der Text zu lang ...

Bis dahin darf gerne spekuliert werden :-)


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