Sind OK-Menschen im Alter einsam?
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Meine Rippen schmerzten, aber ich konnte nicht aufhören zu lachen. Schuld war eine ulkige Situation am Spielsonntag zu dem ich eingeladen war. Und natürlich die Rippe, die ich mir vor 2 Wochen geprellt habe, und von der ich vor der Lacherei dachte, sie sei schon recht gut verheilt.
Ich versuchte wirklich, mich mit Lachen zurückzuhalten, schliesslich wollte ich nachts nicht mit Schmerzen wachliegen. Aber es war unmöglich, bei diesem Spiel lachten wir alle Tränen.
Dass mein Partner und ich in dieser Runde die einzigen Nochnichtpensionierten sind, entpuppt sich als Gelegenheit, eine neue OK-Frau in fortgeschrittenem Alter kennenzulernen.
Schon Stunden vor meinem Lachanfall wittere ich bei einer Mitspielerin die Chance, in ihr eine weitere Frau getroffen zu haben, die auch im Alter nicht bereut, dass sie keine Kinder hat.
Beim Abendessen fasse ich mir ein Herz und spreche sie darauf an. Die Hoffnung auf einen Neuzugang auf meiner inneren Liste macht mir Mut.
Volltreffer! Sie geniesst zwar das Zusammensein mit Kindern, was sie mehrfach betont, jeweils gefolgt von der Bemerkung, dass sie diese nicht zu lange um sich herum haben müsse.
Mit ihrem Partner plant sie, in eine Wohneinheit eines Mehrgenerationenprojektes zu ziehen und freut sich schon darauf.
Auf mein direktes Nachfragen hin bezüglich der
verbreiteten Angst vor Einsamkeit im Alter als Kinderlose berichtet sie lebhaft von ihrem grossen Freundeskreis und ihrem ausgefüllten Alltag, der sie auch erfüllt.
"Man muss die Freundschaften natürlich pflegen", sagt sie.
Doch dann hält sie inne und fügt an: "Wobei, man hat es irgendwann nicht mehr selbst in der Hand und das ist schon nicht ohne. Ich kenne jetzt eine Frau, die ist 91 und der sterben die Freundinnen einfach weg – eine um die andere.
Da hilft auch Freundschaften pflegen nichts. Ausserdem ist sie stets weniger mobil, also lernt sie nicht mehr so leicht neue Leute kennen. Die fühlt sich zunehmend einsamer ohne dass sie was dagegen tun kann."
Um sicher zu gehen, frage ich nach: "Und sie ist auch kinderlos?"
"Nein, sie hat Kinder. Aber die leben halt nicht gerade um die Ecke."
Das ist bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass mir jemand ein Beispiel nennt für Einsamkeit im Alter und erst, wenn ich nachhake, stellt sich heraus: Die Person hatte ja Kinder. Es hat halt bloss nicht verhindert, dass sie in eine solche Situation kommt.
Im anderen Beispiel hat der in Amerika lebende Sohn bei seinem Besuch in der Schweiz sogar dafür gesorgt, dass seine betagte Mutter in eine andere Institution kam.
Dort, wo sie jetzt ist, kennt sie niemanden – im Gegensatz zum Altersheim, wo sie vorher war – und ist in ihren Möglichkeiten, aktiv zu sein, stärker eingeschränkt.
Dank des Kurzbesuches ihres Sohnes und seines Eingreifens in ihr Leben hat ihre Lebensqualität also abgenommen.
Mein Eindruck, dass es ab einem gewissen Punkt nicht mehr drauf an kommt, ob man Kinder hat oder nicht, erhärtet sich.
Sehr hohes Alter erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Freundeskreises schrumpft.
Aber es gibt Wege, dennoch nicht zu vereinsamen.
Interessiert es dich, welche das sind oder möchtest du mehr dazu erfahren?
Und traust du dich manchmal auch, Frauen einfach zu fragen, ob sie OK-Frauen sind und wie es ihnen damit geht?
Welche Beobachtungen machst du bei älteren Menschen?
Schreib mir gern über deine Erfahrungen, sie interessieren mich.
Herzlich
Regula
Übrigens: Letztes Mal habe ich von der Podcastfolge berichtet, wo zwei Freundinnen davon sprachen, wie es für sie war, als die eine von ihnen Mutter wurde.
Und ich habe angekündigt, dass in Kürze auch Kathrin in einer Folge mit uns teilen wird, was sie mit ihrer Freundin erlebt hat.
Wie vermutet wurde auch diese Folge ein Juwel. Hier kannst du sie hören:
Folge 47 Wenn die Freundin Mutter wird (Teil 2), und die andere gerne würde.
Erstellt am: 5. Juni 2025
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Meine Gedanken zum Blog-Beitrag 2025-08-18
Vielen Dank für diesen Blog-Beitrag. Für mich bestätigt sich meine Wahrnehmung - es ist nicht einfach alles schwarz/weiss. Wer sogenannt „alleinstehend“ ist, muss nicht zwingend vereinsamen im Alter. Mein bestes Beispiel ist eine Kollegin, welche vor gut drei Jahren mit 97 Jahren verstorben ist. Sie hatte weder Kinder, noch war sie verheiratet oder liiert - sie hatte einen riesigen Bekanntenkreis und viele soziale Kontakte - sogar so viele, dass ich sie letztmals im 2016 treffen konnte (später leider nicht mehr). Am Schluss war es von ihrer Tagesverfassung abhängig, ob sie Besuch empfangen konnte. Sie war jedoch sehr gut eingebettet und vernetzt. Sie war mir mit ihrer Lebenseinstellung, dem Umgang mit chronischen Schmerzen, welche sie plagten, und ihrem tollen Wesen immer ein grosses Vorbild. So möchte ich auch alt werden können (natürlich ohne Schmerzen, aber mit den andern tollen Eigenschaften). Ich denke, dass meine verstorbene Kollegin schon im Kindesalter Resilienz aufbauen musste. Sie hat mir berichtet, wie sie ihre Mutter früh verloren hat, eine böse Stiefmutter erdulden musste - und trotz oder gerade deswegen unglaubliche Resilienz entwickelte oder entwickeln musste. Ich bewunderte sie bei jeder Begegnung.
Genauso entdecke ich im Alltag immer wieder Schwarz/Weiss-Denken - in anderer Form. Da werden Dinge, Wesen und Menschen verglichen und immer das eine als besser hingestellt als das andere. Hunde sind feinfühliger als Katzen, Frauen ohne Kinder hätten doch Zeit für dieses und jenes, sonst sind sie weniger sozial als die Mütter… , „Fleischesser“ ereifern sich über Vegetarier resp. v.a. Veganer… Ich frage mich, warum manche „das andere“ als minderwertig darstellen müssen, wenn sie einfach anders leben. Ich muss Veganer nicht abwerten, wenn ich selber Fleisch esse. Ich muss auch nicht sagen, dass Hunde schlechter als Katzen sind, nur weil ich Katzen lieber habe. Eine andere Meinung oder Vorliebe zu haben, finde ich völlig legitim - ich habe einfach Mühe damit, dass dann das andere oft abgewertet wird. Dagegen wehre ich mich dann je nach Situation.
Esther, 49
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