Aussenseiterin?
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Wie fühlt sich eine OK-Frau in einer Gruppe, wo alle anderen Mütter sind?
Ist mir schon lange nicht mehr passiert – bis vor einer Woche ... da konnte ich erleben, wie ich heute darauf reagiere.
Schon bei der Vorstellungsrunde wurde klar, dass ich an diesem Seminar die einzige bin, die nicht Mutter ist.
Alle anderen verband das Muttersein (alle hatten einen Sohn, die eine hatte deren zwei, Töchter fehlten), dreiviertel davon war alleinerziehend gewesen, inklusive Dozentin.
Nachdem ich mich vorgestellt hatte, hakte sie nach: "Bist du Mutter?" Ich hatte den Eindruck, dass es ihr darum ging, diesen Teil nicht zu vergessen und verneinte.
Beziehungen, auch familiäre, waren Thema des Seminars – kein Wunder also, dass sie angesprochen wurden.
Die Verbindung übers Muttersein war stark spürbar und hing zuweilen in in der Luft.
Ich hätte mich ausgeschlossen fühlen können.
Als Aussenseiterin.
Ich nahm wahr, wie ich diesen Teil nicht betreten konnte, der sie alle miteinander verband.
Aber es war okay, diesen Bereich nur von aussen mitzubekommen.
Genau so hätte sich die Deutsche ausgeschlossen fühlen können, die uns manchmal höflich bat, wieder zum Hochdeutschen zu wechseln, wenn wir in einem informellen Moment versehentlich der Mundart verfallen waren und sie nur noch Bruchstücke verstand.
Oder die Single-Frau, die sich umgeben sah von Frauen, die in langjährigen, liebevollen Beziehungen lebten.
Oder die Übergewichtige, in mitten von schlanken Frauen.
Jede ist in irgend einem Bereich die Ausnahme.
Über Mittag lebte ich zusammen mit der einen Frau unsere Liebe zur Bewegung aus – wir tanzten vor Beginn des Nachmittagskurses gemeinsam zehn Minuten an der Sonne.
Wäre ich in die Haltung der Ausgeschlossen gegangen, wäre es kaum dazu gekommen, dann wäre ich nicht offen gewesen für diese Gemeinsamkeit.
Mir wurde mein Glück bewusst, mit meiner Kinderlosigkeit im Frieden zu sein. Die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen wäre ein Setting gewesen, bei dem ich mich hätte schlecht fühlen können.
Ich habe den Grat gespürt.
Habe wahrgenommen, wie leicht es gewesen wäre, das Gefühl "Ich gehöre nicht dazu" so gross werden zu lassen, dass es weh tut und ich mich verletzt zurückziehe.
Aber ich hatte die Wahl.
Das veranlasste mich, an all die OK-Frauen zu denken, die in solchen Momenten keine Wahl haben, sondern einfach reingezogen werden in dieses Gefühl und darunter wirklich leiden.
Beim letzten Mittagessen thematisierten zwei die besondere Verbindung, die dadurch entstand, dass sie alle einen Sohn hatten, in meiner Gegenwart. Also vertraute ich den beiden an, wie spürbar dies auch für mich war und dass dies für manche Kinderlose schmerzhaft gewesen wäre.
Das tat ich, weil ich Mütter dafür sensibilisieren möchte.
Und ich bin dankbar für meinen ausgeglichenen Freundeskreis, der wunderbar durchmischt ist und aus vielen Menschen mit und ohne Kinder besteht.
Erstellt am 13. Februar 2026
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Reaktion der beiden Mütter 2026-03-05
Liebe Regula
Vielen Dank für diesen wichtigen und wertvollen Beitrag (wie auch für all deine anderen schönen Texte in deinem Blog). Wie haben denn die beiden Frauen reagiert, als du ihnen anvertraut hast, dass es für manche Kinderlose schmerzhaft sein könnte, diese besondere Verbindung zwischen Müttern zu spüren und sich deshalb als Aussenseiter*in zu fühlen?
Herzlichst, Miriam
Miriam
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