OK-Frau und Einsamkeit
Blog abonnieren
Die neueste Folge von Expectations noch im Ohr (
hier zu hören), fällt mir heute auf, wie weit ich es selbst in der Hand habe, mich einsam zu fühlen.
Schon vor dem Frühstück begegne ich in den Weieren (dorthin geh ich zum Morgenschwumm) einem Bekannten. Eigentlich will ich so rasch wie möglich ins Wasser, doch wir reden kurz und vereinbaren, dass wir uns bald wieder mal bei einem Ess- und Spielabend treffen.
Noch bevor ich im Wasser bin, gerate ich mit einer Fremden in ein Gespräch über die jungen Entlein, von denen nur noch eins übrig ist. Anderen Morgenschwimmern Zufolge sollen es mal sechs gewesen sein.
Beim Abtrocknen erscheint Erika, mit der ich mich gestern etwas länger unterhalten habe. Heute wechseln wir nur wenige Worte, aber die Verbindung von gestern ist noch spürbar.
Auf dem Weg hinaus begegne ich zuerst Geri (super, den wollte ich sowieso etwas fragen) und dann Jacqueline. Letztere berichtet mir davon, dass eine gemeinsame Bekannte, die seit längerem an Parkinson leidet, gestürzt ist und nun das gute Essen in der Geriatrie geniesst. Natürlich macht uns die Entwicklung ihrer Krankheit betroffen. Ich überlege, wann ich sie besuchen könnte.
Ich komme später zu meinem Frühstück als geplant.
Doch diese Gespräche tragen ihren Teil dazu bei, dass ich mich nicht einsam fühle.
Später unterhalte ich mich mit der Nachbarin anstatt mich meinem nächsten Blogtext zu widmen. Etwas länger als mit den anderen, ich hab ja inzwischen schon gefrühstückt. Auch dieses Gespräch war das Aufschieben wert.
Auch wenn die meisten Gespräche kurz waren und ich von manchen Menschen nicht mal einen Nachnamen weiss: Meist war es mehr als Smalltalk. Wir waren offen miteinander, teilten einander Sorgen und Freuden mit und die ehrliche Offenheit hinterliess eine Stimmung von Gesehenwerden, vielleicht sogar eine Spur Zugehörigkeit.
Mir ist bewusst: Ich habe das Glück, leicht auf andere zugehen zu können. Doch vielleicht kann man das lernen, wenn man es nicht von Natur aus kann. *
Übrigens: Die Mehrheit der Frauen, die ich da beim Morgenschwumm zufällig treffe, wären Kandidatinnen für mein Buch
"Kinderlos bleiben? Auch OK" gewesen: Sie sind über 60 (teils weit darüber) und hadern nicht mit ihrem Status als OK-Frau.
Und statt des geplanten Blogtextes ist nun halt dieser hier entstanden.
* Ich bin ziemlich sicher, dass man es ein Stück weit lernen kann. Wer denkt, "Das ist einfach nicht mein Ding; ich kann das nicht", kann sich fragen, was denn schlimmstenfalls passieren könnte, wenn man es doch tun würde. Das ist der erste Schritt, um unbewussten Blockaden auf die Spur zu kommen und sie aufzulösen.
Das Auflösen von Blockaden ist übrigens eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Nicht nur bei mir selbst;
ich unterstütze auch andere gern dabei.
Erstellt am 1. August 2026
Zur Übersicht aller Blogtexte
Kommentar hinzufügen