5. August 2022 – Wie umgehen mit Triggermomenten? (für unfreiwillig Kinderlose)


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Fotos in Gruppenchats, aus denen man nicht raus kann, Familienidyll in Werbungen, Muttertag – der Alltag konfrontiert unfreiwillige OK-Menschen immer wieder damit, dass bei ihnen "etwas fehlt".
Und oft nerven sich auch gewollte OK-Frauen darüber. Das macht deutlich, dass auch für sie nicht alles immer nur einfach ist – die Stellung der OK-Frau ist für viele eine Herausforderung.

Kinderlos-Gruppen sind (bei den Unfreiwilligen) voll von Posts, bei denen eine Frau sich nach einem Triggermoment an Gleichgesinnte / Leidensgenossinnen wendet und dort Verständnis und Zuspruch erhält. Bei den gewollt Kinderlosen wimmelt es von genervten Kommentaren über Eltern.

Es scheint, dass die Welt für unfreiwillig Kinderlose ein Minenfeld ist und für gewollte ein Ort, an dem sie sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlen. Dieser Text richtet sich in erster Linie an unfreiwillige. Der nächste wird sich mit den Herausforderungen befassen, mit denen gewollt Kinderlose zu tun haben.

Unmöglich, all die verletztenden Situationen zu meiden. Und objektiv betrachtet können wir nicht von der Gesellschaft verlangen, dass sie uns nicht mehr mit diesen Bildern belästigt. Denn dann müssten wir bei allem, wovon wir schwärmen an die denken, die das verletzt, weil sie es nicht erleben können:
  • bei der Zweisamkeit mit dem geliebten Partner an Singles
  • bei einer schönen Wanderung an Menschen im Rollstuhl
  • bei einer atemberaubenden Aussicht an Blinde
  • beim tollen Urlaub an solche, die sich den nicht leisten können
  • bei einem ausgelassenen Fest an Kranke, die den Trubel nicht ertragen
  • usw.
"Das Leben ist ein Minenfeld und scheinbar völlig banale Dinge können andere triggern," schrieb eine Frau in der FB-Gruppe der OK-Frauen.

In Erinnerung an meine unfreiwillige Single-Zeit finde ich persönlich heute noch Profilbilder grenzwertig, auf denen ein Paar zu sehen ist – 'gibt's dich nicht mehr als du selbst?' frag ich mich dann.

Doch wäre es nicht eigentlich unser aller Ziel, uns stets weniger davon runterziehen zu lassen, dass andere etwas feiern, sich über etwas freuen oder mit einem Anlass ein gutes Geschäft machen?

Eine Möglichkeit ist, diese Momente als Gelegenheit zu sehen, nochmals ein Stück Trauer zu verarbeiten. Die hochkommenden Gefühle zeigen, dass da noch etwas ist, das gesehen werden möchte – warum nicht dem Thema wieder mal etwas Zuwendung schenken? Im Sinne von Selbstfürsorge?

Dazu passt die Aussage von Frauen über 40, die ich dabei begleite, mit ihrer Kinderlosigkeit noch ganz in den Frieden zu kommen:

"Ich hatte gedacht, damals nach der Kinderwunschzeit als das Schlimmste vorbei war und es mir wieder gut ging, mit dem Thema abgeschlossen zu haben. Doch in letzter Zeit merke ich, dass es noch ein bewussteres Damitbefassen braucht, weil es immer noch diese Trigger-Momente gibt."

Beim Eintauchen ins Thema zeigt sich meist, dass sie mit dem kinderlosen Leben eigentlich schon im Frieden sind. Hinter den Emotionen, die in den schwierigen Momenten hochkommen, stecken oft alte Wunden, die viel früher entstanden sind. In der Kinderwunschzeit (die viele Verletzungen mit sich bringt) wurden sie unbemerkt ans Kinderlos-Thema gekoppelt. Das zeigt sich allerdings erst, wenn man sich wirklich intensiv damit auseinandersetzt.

In der ersten Zeit neigt man zum Ablenken und Verdrängen, teils wird das sogar empfohlen.
Statt ablenken und verdrängen empfehle ich folgende Mischung:

Auf der einen Seite die schönen Seiten des Lebens bewusst wahrnehmen und geniessen (das kann sich manchmal anfühlen wie ablenken, ist aber eigentlich Fokussierung aufs Positive, davon gibt es ja im Leben auch immer ein wenig).

Und auf der anderen Seite den Trauermomenten ganz bewusste und konstruktive Aufmerksamkeit schenken. Diese also nicht verdrängen, sondern sich achtsam mit ihnen auseinandersetzen. Am besten mit professioneller Belgeitung, die verhindert das Versumpfen im Strudel der negativen Gedanken und Gefühle.


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