Simone Rüedi Baumgarten


Ich habe Jahrgang 1971, bin verheiratet und beruflich als dipl. Psychologin / Berufs- und Laufbahnberaterin tätig.
In meiner Freizeit bewege ich mich gerne in der Natur (Jogging, Segeln, Wandern, Skifahren). Ich singe in der Accapella-Formation «Fabe-up» mit. Zudem koche und esse ich gerne und pflege meine Freundschaften.

Noch gar nicht so viel Zeit ist vergangen, seit dem ich — inzwischen 46-jährig — sagen kann: «Ich stehe mitten im Leben — bin rundum zufrieden mit meinem Leben als OK-Frau». Es bedeutet mir viel, einen Beruf zu haben, der mir Freude bereitet und in dem ich meine persönlichen Erfahrungen nutzen kann. In den vergangenen knapp 8 Jahren war ich auf der Suche nach «meinem Ding», das die (vermeintliche) Lücke der Mutterschaft hätte füllen sollen.

In diesem Prozess waren mein humor- und liebevoller Mann, meine verständnisvolle Familie, Gespräche mit Freundinnen, meine Hobbies, die Nachbarskinder und wohl auch einfach die Zeit sehr hilfreich. Obschon sich mein Kinderwunsch spät zeigte (mit 36) und vielleicht auch gar nie besonders ausgeprägt war, stellte sich der Fokuswechsel nach erfolgloser medizinischer Behandlung als schwierig heraus.

Ich kannte damals schon einige OK-Frauen, jedoch keine mit ähnlicher Ausgangslage. Meine Tante entschied sich zu einem Leben als Ordensfrau, ein ebenso mutiger, aber zugleich ganz anderer Weg. Manchmal las ich in Blogs und erfuhr, wie andere Frauen mit der Situation umgehen. Phasenweise nahm ich Unterstützung in Form von Psychotherapie in Anspruch. Dies insbesondere dann, wenn die anspruchsvolle Arbeit (damals noch in der beruflichen Eingliederung) mich zu sehr forderte.

Ich schaffte es, trotz Krisen stets den Kontakt zu Kindern zu pflegen. Kinder begegneten mir spontan, das tat unglaublich gut — besonders auch wenn ich gerade ein Tief hatte. Mit ihnen zu spielen, die Zeit zu vergessen war eine Quelle der Kraft und bestärkte mich stets, mutig weiter zu gehen. Gespräche mit Freundinnen taten gut. Auch blieb ich dran beim Singen, praktizierte weiter Yoga und drehte meine Joggingrunden durch den Wald.

Ein Wendepunkt für mich war, zu sehen wie Ina Borrmann in ihrem Film «28 Tage» so offen mit ihrem Schmerz umging und zu erfahren, dass es ihr genauso ging wie mir damals. Noch einmal den Schmerz zu spüren ermöglichte es mir, mich davon zu lösen.

In der Zeit danach suchte ich in meinem Umfeld Gespräche mit Frauen, die etwas «Besonderes» für sich entdeckt haben und dies mit viel Leidenschaft pflegen. Wie sind sie darauf gestossen? Was raten sie mir..? Es gab kein Patentrezept — einfach dranbleiben und darauf vertrauen, dass «es» mich schon finden wird.

Bis heute gibt es Situationen, in denen Wehmut in mir anklingt. Beispielsweise wenn in einer Runde von Frauen über persönliche Themen ums Muttersein gesprochen wird und ich mich ausgeschlossen fühle — spüre, dass ich das selbst auch gerne erlebt hätte.

Der Schmerz über den Verlust all dessen, was Muttersein mir gegeben hätte, ist kleiner geworden. Und ich kenne viele Paare, deren Weg zu eigenen Kindern über viele Hürden geführt hat. Im November 2016 las ich den Artikel in der «Ostschweiz am Sonntag» zu Regula Simons Buch über OK-Frauen. Dadurch wurde ich aufmerksam auf den Frauentreff, an dem ich Anfang 2017 dann auch Regula und andere OK-Frauen kennen lernte. Es tat gut, zu spüren dass dieses Thema Aufmerksamkeit erhält. Mich mit anderen OK-Frauen austauschen zu können, fühlt sich gut an.

Meine Erfahrungen liessen mich erkennen, wie wichtig es ist, seinem Leben die eigene Richtung zu geben. Dass es sich lohnt, bequeme oder vorgespurte, teilweise auch breit ausgetretene Pfade zu verlassen, um den eigenen Weg zu finden. Eine Portion Mut und Entschlossenheit hilft bestimmt, ebenso wie das Vertrauen in sich selbst.